Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Psychische Arbeitsbelastungen durch KI

Betriebsräte diskutieren Chancen, Risiken und Handlungsmöglichkeiten.

Die Teilnehmer des Tagesseminars AuG am 24. März 2026


Am 24. März 2026 traf sich der Arbeitskreis Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu einem Seminar rund um ein Thema, das immer mehr Betriebe beschäftigt: Wie verändert der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz die psychischen Belastungen der Beschäftigten – und welche Mitbestimmungsrechte haben Betriebsräte?

Unter Leitung von Matthias Holm (Institut für Gesundheitsförderung und Personalentwicklung Hannover) und Sabine Glawe (IG Metall Alfeld Hameln Hildesheim) erhielten Betriebsrats- und Schwerbehindertenvertretungen praxisnahes Wissen, um Entwicklungen frühzeitig einschätzen und wirksam gestalten zu können.

KI im Betrieb – zwischen Effizienz und Belastung
Ob digitale Assistenzsysteme, algorithmische Leistungsauswertungen oder softwaregesteuerte Arbeitsplanung – KI hält längst Einzug in den Arbeitsalltag vieler Branchen. Dabei entstehen neue Herausforderungen:

•    erhöhte Arbeitsverdichtung und Zeitdruck
•    ständige Erreichbarkeit
•    Intransparenz algorithmischer Entscheidungen („Black Box“)
•    neues Überwachungs- und Kontrollgefühl
•    Unsicherheit aufgrund unklarer Kompetenzverschiebungen

Gleichzeitig eröffnet KI Chancen, etwa durch Entlastung bei Routineaufgaben oder verbesserte Arbeitsorganisation – wenn sie fair, transparent und mitbestimmt eingeführt wird.

"KI kann die Arbeit erleichtern – oder enormen Stress erzeugen", so Sabine Glawe, IG Metall Alfeld Hameln Hildesheim. "Entscheidend ist, dass Betriebsräte wissen, welche Fragen sie stellen müssen, bevor Systeme eingeführt werden. Mitbestimmung heißt hier konkret: Transparenz schaffen, Belastungen erkennen und Beschäftigte schützen.“ Sabine Glawe betonte, dass die psychische Gesundheit genauso schützenswert ist wie die physische – und dass algorithmische Systeme ohne klare Regeln schnell zu ungesundem Druck führen können.

Praktische Werkzeuge für die Betriebsratsarbeit

Die Teilnehmenden beschäftigten sich intensiv mit:
•    sinnvollen Fragen an Arbeitgeber und KI Anbieter
•    Kriterien zur Bewertung von psychischer Belastung
•    Beispielen für mitbestimmte KI Einführung
•    Regelungsinhalten für Betriebsvereinbarungen
•    Früherkennung typischer Belastungsindikatoren

Somit konnten sie konkrete Strategien erarbeiten, um KI Einführungen aktiv und kompetent zu begleiten. "KI ist kein Selbstläufer. Wenn wir als Interessenvertretung nicht genau hinschauen, entstehen heimlich neue Kontrollmechanismen und psychischer Druck", stellt Sven David, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei KSM Catsings in Hildesheim, fest. "Aber wenn wir früh eingebunden sind, kann KI ein Werkzeug sein, das Menschen unterstützt statt ersetzt."

Fazit: KI mitbestimmt gestalten – für gesunde Arbeit von morgen! 
Im Verlauf des Seminars wurde deutlich, dass KI im Betrieb nicht nur eine technische, sondern vor allem eine arbeits- und gesundheitspolitische Frage ist. Nur wenn Beschäftigte und ihre Interessenvertretungen aktiv einbezogen werden, lassen sich Belastungen reduzieren und Chancen nutzen.