Nachdem die Verhandlungen auch in der zweiten Verhandlungsrunde am 9. Dezember 2025 erneut ohne Angebot der Arbeitgeber geblieben sind, ruft die IG Metall ab Montag, 12. Januar 2026, zu Warnstreiks in Niedersachsen und Bremen auf. Die Branche ist ein stilles Rückgrat industrieller Wertschöpfung – vom Möbelbau über Fenster, Türen und Verpackungen bis zu Zulieferteilen für die Automobilindustrie.
Die IG Metall fordert 5 Prozent mehr Entgelt bei 12 Monaten Laufzeit, eine deutliche Aufwertung der Ausbildungsvergütungen sowie eine mitgliederwirksame Komponente, die tarifliche Vorteile exklusiv für Gewerkschaftsmitglieder vorsieht. Die Arbeitgeberseite hingegen will – so die IG Metall – für das Jahr 2026 kein dauerhaftes Plus in den Entgelttabellen. „Wer in zwei Runden nicht einmal den Versuch eines Angebots macht, verhandelt nicht – er vertagt“, erklärt Markus Wente, Verhandlungsführer der IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. „Und wer 2026 bei den Entgelten eine Nullrunde in Spiel bringt, als gäbe es die vergangenen Jahre nicht, der nimmt bewusst in Kauf, dass Kaufkraft weiter erodiert, dass Nachwuchs ausbleibt und dass Betriebe Fachkräfte verlieren. Das ist keine Vorsicht – das ist ein Risiko für die Branche.“
Aus Sicht der IG Metall liegt die wirtschaftliche Begründung offen zutage: Seit Anfang 2022 sind die Verbraucherpreise deutlich gestiegen, während die Einkommen in der Branche langsamer nachgezogen haben. Für viele Beschäftigte bedeutet das einen realen Verlust an Spielraum – sichtbar bei Miete, Energie, Mobilität und an der Supermarktkasse. Gleichzeitig werde in vielen Betrieben mehr Leistung auf weniger Schultern verteilt – mit steigender Belastung, wachsender Fluktuation und zunehmender Konkurrenz um qualifiziertes Personal.
Gewerkschafter Wente beschreibt die Lage in den Betrieben als widersprüchlich – und gerade deshalb als tarifpolitische Herausforderung: „Es gibt Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern und ordentlichen Renditen – und andere, die kämpfen oder in Kurzarbeit sind. Genau in solchen Phasen braucht es Tarifpolitik als gemeinsame Klammer: Sie hält Standards, verhindert ein Auseinanderdriften der Bedingungen und sorgt dafür, dass der Wettbewerb nicht über Lohnverzicht und Verschleiß organisiert wird. Eines zeigt die Erfahrung deutlich: Lohnverzicht hat dauerhaft noch nie Arbeitsplätze gesichert!“
Besonders dringlich sei auch die Situation der Auszubildenden. Die Vergütungen lägen teils spürbar unter dem Niveau anderer Industriebranchen – ein Standortnachteil, der sich in Zeiten knapper Jahrgänge und harter Konkurrenz um Nachwuchs nicht länger leisten lasse. „Ausbildung ist kein Randthema und kein Sparposten“, so Wente. „Eine Branche, die Zukunft beansprucht, muss sie auch bezahlen können – fair, konkurrenzfähig und so, dass junge Menschen ihr Leben tatsächlich finanzieren können.“
Mit der Forderung nach einer mitgliederwirksamen Komponente will die IG Metall nach eigenen Angaben einen Grundsatz tarifpolitisch abbilden: Tarifverträge entstehen nicht automatisch – sie sind Ergebnis organisierter Solidarität. Wer sich organisiert, Verantwortung übernimmt und Konflikte trägt, soll davon auch erkennbar profitieren. „Tarifbindung lebt von Menschen, die sich zusammenschließen“, erläutert der Metaller. „Wenn Solidarität der Stützpfeiler eines Tarifvertrages ist, dann muss sie im Ergebnis sichtbar werden.“
Da die Arbeitgeberseite bislang ohne Angebot geblieben ist und zugleich ein Einfrieren der Einkommen für 2026 im Raum steht, erhöht die IG Metall nun den Druck in den Betrieben. Ab der dritten Kalenderwoche werden Warnstreiks und Aktionen vor Werkstoren und Betrieben stattfinden. Eine dritte Tarifverhandlung ist für den 22.01.2026 terminiert.
Hintergrund: In Niedersachsen/Bremen arbeiten rund 18.000 Beschäftigte in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie. Sie produziert u.a. Möbel, Bauelemente, Verpackungen und industrielle Zulieferteile und ist vielfach mittelständisch geprägt.
Quelle: IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhlat, Presseinformation vom 7. Januar 2026.